Yip Man Interview

//Yip Man Interview

Yip Man Interview

Yip Man wurde am 1. Oktober 1893 in Foshan geboren und starb am 2. Dezember 1972 in Honkong. Das nachfolgende Gespräch erschien im Hongkong Journal New Martial Hero. Für den deutschen Sprachraum wurde es übersetzt.

New Martial Hero: „Hatte Chan Wah Shun den Spitznamen „Wah der Geldwechsler“?“

Yip Man: „Dieser Spitzname stellt nicht den Charakter meines Lehrers dar. Abgesehen von „Wah der Geldwechsler“ hatte er auch einen weniger anmutigen Spitznamen „Wah der Bulle“. Er war der Hauptstudent von Dr. Leung Jan.“

New Martial Hero: „Dieser Name deutet darauf hin, dass „Wah der Geldwechsler“ ein aggressives Temperament hatte und es liebte zu kämpfen. Wie viele Schüler hatte „Wah der Geldwechsler“ und in welcher Rangstufe standen Sie?“

Yip Man: „Mich einbezogen hatte Wah Kung (kantonesischer Name des Chan Wah Shun) nur 16 Schüler. Ich war 11 Jahre alt, als ich in seinen letzten Jahren sein Schüler wurde.“

New Martial Hero: „Wir Chinesen haben das Sprichwort, dass der letzte Sohn der meist geliebte ist. Nach dem chinesischen Brauch müssen Sie der beliebteste gewesen sein, richtig?“

Yip Man (lächelnd): „Sie haben recht. Als ich unter der Leitung von Wah Kung lernte, war er schon 70 Jahre alt. Er war in dieser Zeit schon etwas schwach. Gleichwohl korrigierte er meine Fehler mit großer Geduld. Darüber hinaus trug er seinen anderen Schülern auf, mich zu unterrichten. Als Ergebnis verbesserten sich meine Techniken rasant. Sie haben eine gute Frage gestellt, denn in alten Zeiten war die Beziehung zwischen Lehrer und Schüler sehr streng. Bevor sie einen Schüler aufnahmen machten sie sich ein klares Bild über den Charakter. Das ist was man „den richtigen Schüler wählen“ nennt. Und dann kam es auch noch darauf an, ob der Schüler die Gebühren zahlen konnte. Es ist eine Tatsache, dass sich nicht viele so eine Ausbildung leisten konnten. Zu der Zeit, als ich bezahlt habe, betrug die Aufnahmegebühr 20 Silbertaler und monatlich habe ich 8 Silbertaler als Schulgeld bezahlt. Das ist viel Geld für das Erlernen von Kung Fu “

New Martial Hero: „Welchen Wert hatten 20 Silbertaler in dieser Zeit, gemessen an den Lebensstandard?“

Yip Man: „Für 20 Silbertaler konnte man eine Hochzeit arrangieren, wenn man es sparsam gehalten hat. Mit ungefähr anderthalb Silbertaler konnte man 60kg Reis kaufen. Aus diesen Grund waren die meisten Leute, die Kung Fu lernten, reich. Diese Leute konnten ihre Arbeit niederlegen und in den alten Tempeln im tiefsten Gebirge leben, um zu trainieren. Es war nicht so wie heute, wo die Leute leicht und überall Kung Fu lernen können.“

New Martial Hero: „Nach dem Tod von „Wah den Geldwechsler“ haben Sie Foshan verlassen, um in Hongkong auf dem St. Stephens College zu studieren. Haben Sie Ving Tsun Kung Fu weiter gelernt, als Sie in Hongkong waren?“

Yip Man: „Selbstverständlich tat ich es. Und der Grund dafür war, dass ich einen hochqualifizierten Ving Tsun Experten traf, von dem ich die fortgeschrittenen Techniken lernte.“

New Martial Hero: „Wer war dieser hochqualifizierte Experte?“

Yip Man: „Es war Leung Bik, der älteste Sohn von Dr. Leung Jan. Die Umstände wie ich meinen Lehrer Leung Bik traf waren ziemlich dramatisch, aber das ist eine lange Geschichte.“

Auf wiederholter Nachfrage des Reporters beschreibt Yip Man die Geschichte folgendermaßen: Als er Foshan verließ, um in Hongkong zu studieren, war er in den Ving Tsun Grundlagen bereits sehr gut ausgebildet. Yip Man kämpfte oft mit seinen Klassenkameraden. Er war zwar nicht sehr groß, aber dafür in Kampftechniken gut ausgebildet. Das war auch der Grund, warum er sie alle besiegen konnte. Sogar diejenigen, die viel größer und stärker waren als er.

Nach etwa 6 Monaten erzählte ihm ein Klassenkamerad namens Lai, dessen Vater die große Seidenfirma „Kung Hang Silk Company“ in der Jervois Straße von Sheung Wan leitet, dass ein Freund seines Vaters, der mit ihnen im Haus wohnt, einige Kung Fu Techniken kennen würde, etwas über 50 Jahre alt sei und Yip Man zu einen freundschaftlichen Kampf herausfordern würde.

Yip Man war unbesiegt und willigte ohne groß nachzudenken sofort ein. Lai konnte einen Termin für Sonntag Nachmittag ausmachen und stellte sie einander vor. Für Yip Man sah er eher wie ein feiner Herr aus und nicht wie jemand der Kung Fu konnte. Nach kurzer Zeit drängte Yip Man zum freundschaftlichen Kampf. Der Mann lächelte und sagte, Yip Man soll sich nicht zurückhalten. Er könne jeden Teil seines Körpers mit voller Kraft angreifen.

Yip Man wurde zornig und griff nach Kampfbeginn sofort mit aggressiven Fäusten an, aber der Mann reagierte so schnell, dass Yip Man nicht mithalten konnte. Als Yip Man in eine Ecke gedrängt wurde hielt der Mann inne.

Yip Man konnte es kaum glauben, dass der Mann so schnell die Oberhand bekam und fragte ob er es noch einmal versuchen könne. Und erneut wurde Yip Man von diesem Mann komplett kontrolliert. Er konnte nicht das geringste gegen ihn tun. Yip Man musste einsehen, dass er von einem Kung Fu Experten besiegt worden war und ging ohne ein Wort zu sagen enttäuscht davon.

Nach diesem Ereignis war Yip Man so deprimiert, dass er sich nicht mehr traute jemanden zu erzählen er könne Kung Fu. Nach einer Woche erzähle ihm Lai, dass der Mann ihn wiedersehen möchte. Aus Scham wollte Yip Man jedoch nicht und sagte es sei ihm peinlich. Zu seiner Überraschung erzähle ihm Lai jedoch, dass der Man seine Kung Fu Fähigkeiten gelobt hätte. Lai enthüllte das Geheimnis um den Mann. Yip Man hatte gegen keinen geringeren gekämpft, als gegen Leung Bik, den Sohn von Dr. Leung Jan.

Nachdem Yip Man die Wahrheit hörte wurde ihm klar, warum der Mann so gut war. Er hatte gegen einen hochrangigen Ving Tsun Experten gekämpft. Yip Man erkannte sofort die Chance die höheren Ving Tsun Techniken zu lernen und verschwendete keine Zeit Leung Bik zu treffen.

Da Yip Man eine gute Auffassungsgabe hatte war Leung Bik glücklich alles weitergeben zu können. Nach einigen Jahren zog es Leung Bik wieder zurück nach Foshan. Yip Man war bereits bestens ausgebildet.

2018-12-03T13:24:21+02:00Dezember 2nd, 2018|Allgemein|

About the Author: